Werbung in KI-Assistenten: der Stand bei ChatGPT, Gemini, Copilot und Perplexity

Titelgrafik: Werbung in KI-Assistenten - ChatGPT, Gemini, Copilot und Perplexity im Vergleich, Stand September 2026

Stand: 1. September 2026.

Werbung in KI-Assistenten wird meist so beschrieben, als würde eine ganze Branche geschlossen in dieselbe Richtung laufen. Das Gegenteil ist der Fall. Im Spätsommer 2026 macht jede der vier großen Plattformen etwas anderes — und zwei davon bewegen sich in genau entgegengesetzte Richtungen.

OpenAI hat gerade den größten Werbestart der KI-Geschichte hingelegt. Perplexity hat Werbung im selben Jahr komplett eingestellt. Google sagt für die Gemini-App nein und liefert gleichzeitig vier neue Anzeigenformate in AI Mode aus. Microsoft schaltet seit Monaten Anzeigen in Copilot, ohne viel Aufhebens darum zu machen.

Diese Seite ist die Landkarte dazu: was auf welcher Plattform tatsächlich geht, was nur angekündigt ist und was wieder abgeschafft wurde. Jede Angabe mit Quelle, jede Unsicherheit als solche gekennzeichnet.

Der Stand auf einen Blick

Plattform Werbung möglich? Zugang für deutsche Werbetreibende
ChatGPT (OpenAI) Ja — seit 24.08.2026 in Deutschland Kein Self-Serve. Nur über Warteliste, Agentur- oder Technologiepartner
Google AI Mode Ja — vier Gemini-Formate Über bestehende Google-Ads-Konten
Gemini-App (Google) Nein — offiziell dementiert, aber nicht ausgeschlossen
Microsoft Copilot Ja — laufendes Programm Über bestehende Microsoft-Advertising-Kampagnen
Perplexity Nein — eingestellt Keine neuen Werbekunden seit Oktober 2025, vollständiger Ausstieg im Februar 2026
Matrix mit dem Werbestatus je KI-Plattform: ChatGPT, Google AI Mode und Microsoft Copilot laufen, die Gemini-App hat keine Anzeigen, Perplexity hat das Werbegeschaeft eingestellt
Der Werbestatus der vier großen KI-Assistenten, Stand 1. September 2026. Drei Plattformen schalten Anzeigen, eine dementiert, eine ist ausgestiegen.

ChatGPT Ads: der große Start, mit angezogener Handbremse

Am 24. August 2026 hat OpenAI Werbung in ChatGPT in Deutschland und über 30 weiteren europäischen Märkten gestartet. Es ist der Start mit der größten Reichweite — und gleichzeitig der mit den meisten Einschränkungen.

Die Anzeigen erscheinen als chat_card klar gekennzeichnet unterhalb der Antwort, sichtbar für Nutzer der kostenlosen Version und der Go-Tarife. Im Europäischen Wirtschaftsraum werden sie ausschließlich kontextuell ausgesteuert: aus der laufenden Unterhaltung heraus, nicht aus einem Nutzerprofil. Wer aus dem klassischen Suchmaschinenmarketing kommt, verliert damit das gewohnte Keyword-Targeting.

Der praktische Haken: Self-Serve gibt es für Deutschland noch nicht. Wer schalten will, muss über die Warteliste, einen Agenturpartner oder einen Technologiepartner gehen. Wie das konkret abläuft und was vorher technisch fertig sein muss, steht im Guide zu ChatGPT Ads.

Google gibt zwei verschiedene Antworten

Bei Google muss man zwei Produkte auseinanderhalten, die gern verwechselt werden.

Die Gemini-App: nein, aber kein endgültiges nein

Im Dezember 2025 berichteten Werbetreibende, Google habe in Kundengesprächen Anzeigen in der Gemini-App für 2026 in Aussicht gestellt. Google widersprach öffentlich: Es gebe keine Anzeigen in der Gemini-App und keine Pläne, das zu ändern. Inzwischen hat Google-SVP Nick Fox die Formulierung aufgeweicht — Anzeigen in Gemini seien „nicht ausgeschlossen“, und die Erkenntnisse aus AI Mode würden sich voraussichtlich übertragen lassen.

Für die Planung heißt das: heute kein Kanal, aber ein wahrscheinlicher.

AI Mode: hier läuft es längst

Parallel hat Google auf der Marketing Live 2026 vier von Gemini gesteuerte Anzeigenformate in AI Mode vorgestellt, einer Oberfläche mit nach eigenen Angaben über einer Milliarde monatlicher Nutzer:

  • Conversational Discovery Ads — beantworten die konkrete Frage direkt innerhalb der AI-Mode-Antwort
  • Highlighted Answers — platzieren passende Anzeigen in listenförmigen AI-Antworten
  • AI-Powered Shopping Ads — Gemini erzeugt je Suchanfrage einen eigenen Produkterklärtext
  • Business Agent for Leads — der Nutzer spricht direkt in der Anzeige mit dem KI-Agenten der Marke

Der entscheidende Unterschied zu ChatGPT Ads: Diese Formate laufen über bestehende Google-Ads-Konten. Es gibt keine Warteliste und keinen Partnerzwang.

Microsoft Copilot: der stille Kanal

Microsoft kann Anzeigen innerhalb von Copilot-Antworten ausspielen, gespeist aus regulären Microsoft-Advertising-Kampagnen. Das Programm läuft 2026 aktiv, bekommt aber einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, die der ChatGPT-Start erzeugt hat.

Für Werbetreibende mit vorhandenem Microsoft-Advertising-Konto ist das die Plattform mit der niedrigsten Einstiegshürde — man muss nichts Neues aufsetzen.

Perplexity: der Rückzug, der am meisten verrät

Perplexity ist die einzige der vier Plattformen, die Werbung wieder abgeschafft hat. Ab Oktober 2025 wurden keine neuen Werbekunden mehr aufgenommen, im Februar 2026 folgte der vollständige Ausstieg. Nach Aussage des Unternehmens gibt es keine Pläne, das Thema erneut aufzugreifen.

Die Begründung ist für jeden interessant, der über KI-Werbung nachdenkt. Sinngemäß: Ein Nutzer müsse glauben, die bestmögliche Antwort zu bekommen — und das Problem mit Anzeigen sei, dass er anfange, alles anzuzweifeln.

Vorher hatte Perplexity Sponsored Follow-Up Questions getestet, also bezahlte Anschlussfragen im Bereich „Verwandte Fragen“. Nach Unternehmensangaben entfielen darauf rund 40 Prozent aller Anfragen auf der Plattform — die Reichweite war also da. Aufgegeben wurde nicht mangels Nachfrage, sondern wegen des Vertrauensproblems.

Das ist die offene Flanke des gesamten Formats: Keine der vier Plattformen hat bisher öffentlich belegt, dass Anzeigen das Nutzervertrauen langfristig unbeschädigt lassen.

Was alle Plattformen gemeinsam haben

So unterschiedlich die Wege sind — vier Dinge gelten überall, und sie unterscheiden KI-Werbung grundsätzlich von Suchmaschinenwerbung:

  • Kontext statt Keyword. Ausgesteuert wird über die thematische Richtung eines Gesprächs, nicht über exakt gebuchte Suchbegriffe. Einen Suchbegriffs-Bericht im gewohnten Sinn gibt es nicht.
  • Die Anzeige steht in einer Antwort, nicht über einer Ergebnisliste. Sie konkurriert nicht mit neun anderen Treffern, sondern mit der Antwort selbst — die der Nutzer oft schon als ausreichend empfindet.
  • Die Messung ist neu und unfertig. Attributionsfenster, Sichtbarkeitsdefinitionen und Berichtstiefe unterscheiden sich von dem, was aus Google Ads bekannt ist.
  • Die Landingpage muss für KI-Crawler erreichbar sein. Wer die zuständigen Bots aussperrt, wird nicht ausgespielt — der Punkt, den in der Praxis die meisten übersehen.

Was das für deine Planung heißt

Drei nüchterne Schlussfolgerungen:

Erstens: Der Kanal mit der niedrigsten Hürde ist nicht der mit der größten Schlagzeile. Wer heute in KI-Umgebungen Anzeigen testen will, kommt über Google AI Mode und Microsoft Copilot schneller ins Laufen als über ChatGPT.

Zweitens: Bezahlte Sichtbarkeit ersetzt keine organische. Eine Anzeige unter der Antwort ist etwas anderes als in der Antwort empfohlen zu werden — beides folgt unterschiedlichen Mechaniken. Wie sich das zueinander verhält, steht in ChatGPT Ads oder GEO.

Drittens: Behandle Budgets in dieser Phase als Lerngeld, nicht als Wachstumsmotor. Die belastbaren Ergebnisse aus dem US-Markt sind widersprüchlich — es gibt dokumentierte Erfolge und ebenso dokumentierte Fehlschläge. Die Zahlen stehen in Was ChatGPT Ads wirklich bringen.

Tiefer einsteigen

Die Detailfragen behandeln wir in eigenen Beiträgen:

Die zentralen Begriffe erklären wir im Glossar: ChatGPT Ads, chat_card, OAIQ-Pixel, Context Hints und oCPC.

Was wir beobachten

Diese Übersicht wird bei echten Änderungen aktualisiert, nicht nach Kalender. Konkret warten wir auf vier Dinge:

  • ob und wann OpenAI den Self-Serve-Zugang nach Deutschland bringt
  • ob Google Anzeigen in der Gemini-App doch noch einführt
  • ob im Europäischen Wirtschaftsraum personalisierte statt kontextueller Aussteuerung kommt
  • ob eine der Plattformen belastbare Zahlen zum Vertrauenseffekt veröffentlicht

Häufige Fragen

Auf welchen KI-Plattformen kann ich aktuell Werbung schalten?

Auf drei: ChatGPT seit dem 24. August 2026, Google AI Mode über bestehende Google-Ads-Konten und Microsoft Copilot über Microsoft Advertising. In der Gemini-App und bei Perplexity ist es derzeit nicht möglich.

Warum hat Perplexity Werbung wieder abgeschafft?

Nach Unternehmensangaben aus Sorge um das Nutzervertrauen: Wer eine Antwort für bezahlt hält, zweifelt schnell an allen Antworten. Der Ausstieg begann im Oktober 2025 mit einem Aufnahmestopp für neue Werbekunden und war im Februar 2026 abgeschlossen.

Gibt es Werbung in der Gemini-App?

Nein. Google hat entsprechende Berichte im Dezember 2025 öffentlich dementiert. Inzwischen heißt es aus dem Unternehmen, Anzeigen in Gemini seien „nicht ausgeschlossen“ — ein Termin ist nicht genannt.

Was ist der Unterschied zwischen Gemini-App und Google AI Mode?

Die Gemini-App ist der eigenständige KI-Assistent, AI Mode ist die KI-Antwortoberfläche innerhalb der Google-Suche. In AI Mode laufen vier Anzeigenformate, in der Gemini-App keine.

Brauche ich für jede Plattform ein eigenes Konto?

Für Google AI Mode und Microsoft Copilot genügen die vorhandenen Konten bei Google Ads beziehungsweise Microsoft Advertising. ChatGPT Ads erfordert einen eigenen Zugang über Warteliste oder Partner.

Kann ich in KI-Anzeigen Keywords buchen?

Nicht im gewohnten Sinn. Die Aussteuerung erfolgt kontextuell aus dem Gesprächsverlauf. Exakte Suchbegriffe lassen sich nicht buchen, und einen vollständigen Suchbegriffs-Bericht gibt es nicht.

Lohnt sich der Einstieg jetzt schon?

Als Lernbudget ja, als Wachstumskanal noch nicht. Die verfügbaren Performance-Daten sind widersprüchlich, und die Messmethoden sind noch nicht ausgereift. Wer einsteigt, sollte ein Budget einplanen, dessen Verlust nicht wehtut.

Was muss technisch vorbereitet sein?

Vor allem müssen die KI-Crawler der jeweiligen Plattform auf die Landingpage zugreifen dürfen. Werden sie in der robots.txt ausgesperrt, wird die Anzeige nicht ausgespielt. Details dazu in ChatGPT Ads schalten.

Quellen

  • OpenAI: „ChatGPT Ads expands across Europe“; OpenAI Help Center: „Anzeigen in ChatGPT“; ads.openai.com
  • Adweek: „Google Tells Advertisers It’ll Bring Ads to Gemini“ (Dezember 2025) und Googles öffentliches Dementi vom 08.12.2025
  • Search Engine Land: „Google tests new conversational ad formats in AI Mode and Search“; Google Marketing Live 2026
  • Search Engine Land: „Perplexity stops testing advertising“; PYMNTS: „Perplexity Pulling Sponsored Answers From AI Platform“ (2026)
  • Microsoft Advertising: Dokumentation zu Anzeigen in Copilot


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Der Author

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Thomas Gal

Gründer und Geschäftsführer SichtbarerWerden GmbH

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